04. Dezember 2025
- Tagesordnung
- Der Haushalt 2026 – Nachfragen
- Die Haushaltsreden
- Neuaufstellung des Regionalplans Südhessen Grundsatzentscheidung über die zukünftige Stadtentwicklung
- Kommunales Wasserkonzept
- Finanzierung Station Mitte
Die letzte Sitzung in diesem Jahr war mal wieder die Haushaltssitzung, unsere fünfte. Links zu den früheren Haushaltssitzungen finden sich hier: Haushalt 20251, 20242, 20233 und 20224
Und der Saal sah prächtig aus, weil auf jedem Platz ein Christstern und eine Geschenktüte standen. Liebes Stadtverordnetenbüro, herzlichen Dank!

Hier geht es zur Tagesordnung5 und hier zum Stream6. Wir haben, wie bei allen Haushaltssitzungen, schon um 15:00 angefangen, denn erfahrungsgemäß dauert es. Dieses Mal waren wir aber schon um 23:00 fertig, das lag nicht zuletzt daran, dass sich die AFD, mit Ausnahme ihrer Haushaltsrede, sonst kein einziges Mal zu Wort gemeldet hat. Sehr ungewohnt!
Tagesordnung
Die AFD hat nicht nur die Klappe gehalten, sondern sogar ihren Antrag7 zu „Ausgabe von Menstruationsprodukten einstellen“ zurückgezogen, warum auch immer. Annette hatte vorgehabt, dagegen eine wütende Rede zu halten. Zum Thema siehe hier8 und hier9.
Wie immer war die Sitzung so strukturiert, dass zuerst die Haushaltsreden gehalten wurden, danach zu den einzelnen Produktbereichen diskutiert und danach alle Produktbereiche einzeln abgestimmt wurden. Anschließend gab es noch viele weitere Anträge zu diskutieren, darunter wichtige und umfangreiche Magistratsanträge. Naturgemäß war kaum Zeit gewesen, die alle zu studieren, denn der 1000-seitige Wälzer hat schon genug Zeit gekostet. Aus den Oppositionsfraktionen war dazu Unmut zu hören. Aus den Koa-Fraktionen nicht, denn die kriegen ja ihre fertigen Abstimmungslisten, und jeweils einer von ihnen muss eine Lobesrede halten.

Der Haushalt 2026 – Nachfragen
Auch dieses Mal konnte man vorher nachfragen, wenn man etwas im Haushalt unklar gefunden hatte. Letztes Jahr kam durch Nachfragen ja raus10, dass sich hinter dem harmlos klingenden Posten „Externe Dienstleistungen“ ein persönlicher Social Media Referent nur für den Oberbürgermeister verbirgt. Dieses Jahr haben wir also nachgeschaut, ob das immer noch so ist. Statt der für 2025 angesetzten 410.000 Euro wurden nur 61.000 Euro ausgegeben. Nach acht Tagen, einen Tag vor der Sitzung, haben wir dann diese Antwort bekommen:
„Das Sachkonto „6179000xxx – externe Dienstleistungen (DV)“ existiert im Hauptamt sowohl im Produkt 01011300 (Zentrale Dienste) als auch im Produkt 01011500 (Informationstechnik). Das angesprochene Konto 01011300.6179000310 wird zur Finanzierung einer befristeten überplanmäßigen Stelle im Bereich Postdigitalisierung verwendet. Hier sind ca. 60.000 € eingeplant.
Das Produktkonto „01011500.6179000010 – Externe Dienstleistungen“ hat für 2025 einen Ansatz von 520.000 EUR. Diese Mittel waren für folgende Projekte/Aufgaben vorgesehen und wurden auch so verwendet:
- Prozessdigitalisierung und -automatisierung;
- Digitalisierung/Fachverfahren, Digitale Akte
- Telekommunikation (ENO, Soluvia)
- Social-Media-Referent Oberbürgermeister
- IT-Sicherheit (SecOps)
Fazit: Die Nummern der Produktkonten haben sich verschoben, aber trotz knapper Kasse kriegt der Herr OB sein persönliches Marketing. Das war dann auch Thema in unserer Haushaltsrede, die man weiter unten lesen kann.
Die Haushaltsreden
Bei der letzten Sitzung haben wir die Reden sehr ausführlich referiert. Dieses Mal haben wir versucht, uns kürzer zu halten, das hat aber nicht ganz geklappt.

SPD:
Fünfeinhalb Jahre Stillstand! Und jetzt kommt die Wende!“ Investitionen über Investitionen seien zu erwarten, und inmitten der Misere sei Offenbach jetzt das „gallische Dorf des Aufschwungs“. Jede Menge Arbeitsplätze kämen bald, und jede Menge „bezahlbarer“ Wohnraum. Das Füllhorn des Wohlstands werde über Offenbach ausgegossen, oh Jubel! Wieso der Wohnraum auf einmal so bezahlbar sein soll, erschließt sich uns nicht. Die GBO starte das größte Investitionsprogramm seit drei Jahrzehnten, 150 Millionen. Millionen über Millionen hätte man in Schulen und Kitas gesteckt (zu diesem Thema gibt es ein Kapitel in unserem Juli-Bericht11. Mit einer Fachkraftquote in den Kitas von nur 9,1 % ist Offenbach übrigens zur Zeit das Schlusslicht aller Kommunen in Hessen.) Die Zahl der Arbeitsplätze wachse wieder. Allerdings sagte die Rednerin nicht, ob auch die prozentuale Arbeitslosigkeit damit zurückgeht. Es folgten viele weitere Lobhudeleien und Versprechungen: eine saubere Stadt, bezahlbarer Wohnraum, moderne Schulen und Kitas usw. Ja, Offenbach scheint ein Schlaraffenland der Glückseligen zu sein. Und jetzt, 3 Monate vor der Wahl, wird aber bestimmt alles gaaanz, gaaaanz anders und viiiil besser.
„Wir werden alles tun, um die Offenbacher und Offenbacherinnen nicht zusätzlich zu belasten“, sagte sie dann, und auch im Jahr 2027 würde die Grundsteuer nicht erhöht. Ob wir das glauben dürfen? Da ja viele Leute den Stream der Sitzungen abspeichern, sind wir gespannt, ob das dann wieder hervorgeholt werden muss. Weiter ging es mit Lobeshymnen auf sich selbst. Die höheren Marketing-Mittel seien nur für das Lichterfest und das Mainuferfest. Ja, da ist ja auch vieles in anderen Posten versteckt, wie z.B. der Social Media-Referent für den Oberbürgermeister. Dauer der Rede: 36 Minuten.
Grüne:
Auch die Grünen, die sich ihre Rede auf einen Redner und eine Rednerin aufgeteilt hatten, waren des Lobes voll für die Leistungen der Koa und sich selbst. Sie priesen das Glück, vom Land Hessen Geld aus einem Kredit bekommen zu haben und mit dem grünen Kredit, der vom GEO verwaltet wird, weitere Dinge finanzieren zu können. Zinsen dafür erwähnten sie nicht. Man werde dank des Landeskredits die Anhebung der Grundsteuer auf 2028 verschieben. Die Rede war gespickt mit Selbstlob wie „innovationsstark“ ,“unser Grünes permanentes Wirken“, „wir sind froh, dass“ wir diese und jene Leistung erbracht haben (das kam fünf mal) und viele weitere. Man habe ganz viel an der Infrastruktur verbessert und auch den öffentlichen Nahverkehr gestärkt. Hört, hört, aber dann darf man die jetzige Situation nicht mit dem Nahverkehr vor der großen Kürzung vergleichen!
Man habe auch ganz viel für Klimaschutz, Umwelt und Begrünung getan… Da fällt uns doch glatt das Konzept „Mensch und Natur„12 ein, das schon in der vorigen Wahlperiode mit dem damaligen grünen Bürgermeister Peter Schneider beschlossen worden war. Klickt einfach mal und vergleicht die schönen Versprechungen daraus mit der Wirklichkeit, nachdem diese Wahlperiode jetzt schon fast rum ist.
Bei einem Satz haben wir aufgehorcht: „Wer sich seinen Flächenbestand genau anschaut und bewusst nutzt, der muss nicht auf die Grüne Wiese gehen, um wirtschaftlicher Entwicklung und Transformation Raum zu bieten.“ Später am Abend waren aber Änderungswünsche der Stadt zum Entwurf des neuen Flächenentwicklungsplan das Thema, und aus denen geht klar hervor, dass die Koa Kleingärten platt machen will, um neue Gewerbegebiete zu erschließen (siehe weiter unten13). Wie passt das zusammen? Wir werden zu gegebener Zeit an diesen Satz erinnern. Dauer dieser Rede 27 Minuten.
CDU:
Zunächst dankte der Redner vielen Leuten, nicht zuletzt dem Stadtverordnetenbüro und Frau Schäfer. Diesen Dank teilen wir gerne und haben mit allen anderen in den Applaus eingestimmt.
Dann zeigte er sich aber „geflasht“ von den Vorreden, dass es in Offenbach so gar kein Problem gebe. Die Wirtschaft boomt und es ist sauber und sicher in unserer Stadt. Er zählte dann auf, welche Defizite es in den letzten Jahren gegeben habe. Er halte die Planungen des Kämmerers nicht für realistisch. Deshalb wolle man auch schon vorher die ungeprüften Abschlüsse sehen (siehe hier14). Zwar habe man jetzt Jahresabschlüsse erhalten, aber nur eine Woche vorher und unvollständig, und auch ohne Erläuterungen. Leider könne man so keine Bewertung der Risikopotentiale der Stadt vornehmen. Man wünsche sich „Transparenz statt betreute Information“. Ja, das ist ja ganz im Ofa-Sinn!
Zusätzliche Mittel, so stehe es im Koalitionsvertrag, sollen vorrangig dazu dienen, die Bürger und Bürgerinnen zu entlasten. Man müsse an dem sparen, was keine Pflichtveranstaltungen seien, also an Investitionen! Wo Wirtschaftlichkeit nicht gelungen sei, das sei z.B. die „Posse um den Rathauspavillon“ (diese kam ja oft unseren Berichten vor, das findet man mit dem Suchbefehlt auf unserer Seite). Auch fehle es ein Nutzungskonzept für die Station Mitte. Ja tatsächlich, das ist ja mehrfach geändert worden. Uns hatte man in einer Ausschusssitzung gesagt, dass es schon festgelegt sei. Eine Antwort15 auf eine Anfrage zeigte das Gegenteil. Und auch sie hat nicht gestimmt, denn danach gab es noch mal viele Änderungen. Von den Betriebskosten der Station Mitte wisse man nichts. Das haben wir auch immer bemängelt. Man solle auch anstreben, dass sich das Konzept auch wirtschaftlich trägt.
Kurz vor der Wahl gebe man jetzt mit einer Werbekampagne an: „Wir investieren in Bildung“. Aber dabei handele es sich nur um die Fortschreibung einer langjährigen Kampagne, die von allen Fraktionen mitgetragen, aber kein Alleinstellungsmerkmal sei. Baukostensteigerungen seien intransparent und nicht nachvollziehbar.
Mit dem Sondervermögen des Bundes sollen zusätzliche Infrastrukturprojekte finanziert werden, nicht Dinge, die sowieso schon geplant seien.
Es kam dann noch mal ein Plädoyer für den Bau der B448-Anbindung. Er fürchtet einen „Verkehrskollaps im Osten unserer Stadt“, man solle den Infrastruktur-Fonds besser dafür verwenden. Bekanntlich sehen wir das anders. Man kann aber erwarten, dass diese Meinungsverschiedenheit in der nächsten Wahlperiode eine Rolle spielen wird. Dauer dieser Rede: 47 Minuten.
FDP:
Die FDP setzte die jubelnde Selbstbeweihräucherung von SPD und Grünen fort. Es sei alles viel besser geworden in Offenbach. Und deshalb müsse man „den Kurs des Wachstums fortsetzen“. Bildung, Arbeit, Ansiedlungen… alles im Aufschwung! Der Bildungsbericht16 spricht jedoch eine andere Sprache. Die Ganztagsschule sei „Chancengerechtigkeit“. Nein, so wie sie in Offenbach organisiert ist, ist sie das gerade nicht. Die Qualität der Betreuung sinkt, weil die Kinder kaum noch von Fachkräften, sondern nur noch von Aushilfskräften betreut werden, sie hier17. Das ist Aufbewahrung, keine Bildung! Offenbach hat die geringste Quote von Fachbetreuung. „Wir investieren nicht in Schlagzeilen, sondern in Substanz“. Jetzt wissen wir nicht, ob wir lachen oder weinen sollen, denn genau diese Priorität unserer Koa, nämlich Show ohne Substanz, halten wir für das schlimmste Problem in unserem Haushalt.
Die Rednerin fuhr dann fort, dass man „bauen, bauen, bauen“ müsse. Nur das bringe bezahlbare Mieten. Wie scheinheilig: die FDP will ja gar keine bezahlbaren, sondern lieber hochpreisige Mieten, weil sie Leute mit Geld anlocken will, vgl. hier18. Dauer dieser Rede: 11 Minuten
Linke:
Die Linken bedankten sich zunächst beim Stadtverordnetenbüro und dann bei allen demokratischen Fraktionen, mit denen sie gut zusammengearbeitet hatten. Das beziehen wir auch auf uns und verstehen darunter die letzte Zeit, seit die Linke ihren neuen Fraktionsvorsitz hatte. Der Dank geht auch zurück an Euch, liebe Linke. Die Rednerin zählte dann alle Verdienste der Linken auf, welche Anträge sie teilweise durchbekommen hatten und welche Dinge sie angestoßen haben.
Sie beklagte dann, dass im neuen Haushalt hart gespart und auf Rücklagen zurückgegriffen wird. Trotzdem hat sich das Minus mehr als verdoppelt. Sie krtisierte dann, dass sich die Kommunen in einem Wettbewerb untereinander befinden, was die Ansiedlung von Unternehmen angeht. Das verhindert die Erhöhung der Gewerbesteuer. Das sehen wir genauso. Mangelverwaltung ist demokratiegefährdend.
Sie beklagte dann, wie die anderen Fraktionen auch, dass Bund und Land den Kommunen teure Verpflichtungen auferlege, diese aber nicht genügend finanziere. Das sehen wir genauso. Wir müssen uns juristisch gegen diese finanzielle Unterfinanzierung wehren, denn Kommunen haben Anspruch auf eine angemessene Mindestausstattung.
Den Antrag zur Verteilung der Mittel aus dem Infrastrukturfinanzierungsgesetz haben wir erst einen Tag vor der Sitzung bekommen. Die Koa hatte allerdings schon viel früher dazu eine Pressemitteilung gegeben. (Ja, so kennen wir das, von wegen gleicher Informationszugang für alle Stadtverordneten). Dauer dieser Rede: 24 Minuten
AFD:
Die Rednerin kritisierte, dass 2029 die Reserven aufgebraucht sein würden und die Stadt dann handlungsunfähig wäre. Das Wachstum sei schuldenfinanziert. Das Regierungspräsidium spreche von einer gefährdeten Lage. Sie sprach dann von „ideologischer Symbolpolitik“. (Ideologie können wir in unserer Stadtregierung allerdings nicht erkennen.) Sie forderte mehr Druck auf die Parteizentralen in Berlin. Im Prinzip sagt sie das Gleiche wie die anderen Fraktionen, forderte aber mehr Randale in Berlin. Dauer dieser Rede: 6 Minuten
Es fällt auf, dass von der AFD dieses Mal, anders als sonst oft, keine Ausfälle kamen, wie z.B. „Wartet mal ab bis zur nächsten Wahlperiode, dann zeigen wir es Euch“. Über die Gründe kann man spekulieren.
Ofa:
Wir haben unsere Rede auch aufgeteilt: erst Helge, dann Annette. Unser Schwerpunkt ist die Kritik der vielen Großprojekte, deren Finanzierung unklar ist, sowie die falsche Prioritätensetzung im Haushalt, genauer: Die Priorität liegt auf dem schönen Schein, nicht auf der Substanz dahinter. Aber lest selbst:
Dauer unserer Rede: 10 Minuten
Freie Wähler:
Die Freien Wähler sprachen auch das Haushaltsdefizit und die schwindenden Rücklagen an. Wir hängen am Tropf von Land und Bund. Er kritisierte, dass das Geld nicht immer effizient für das gewünschte Ergebnis umgesetzt würde, wegen zu viel Bürokratie, zu vielen Kostensteigerungen, zu zähe Verwaltungsprozessen. Folgekosten seien im Haushalt nur unzureichend abgebildet. Ein Beispiel sei die Station Mitte. Ja, wir fürchten auch, dass da noch viele weitere Kosten auf uns zukommen. Wie alle anderen Redner sagte er auch, dass der Finanzausgleich nicht ausreiche, ein Beispiel sei die Ganztagsbetreuung, für die Bund und Land nicht genügend Mittel bereitstellen. Man müsse zusätzliche Entlastungen einfordern. Nutzen wir die Mittel aus dem Infrastrukturgesetz, 10 Millionen pro Jahr, für einen Kurswechsel oder für eine weitere Wunschliste der Koalition? Er kritisierte dann die Prioritätensetzung für diese Geldausgaben. Statt für teures Geld Belegungsrechte im Kaiserlei-Viertel zu kaufen, sollte besser die GBO eigenen Wohnraum bauen. Die Koa arbeite im schnellen Wahlkampfmodus statt sich Zeit für ordentliche Planung zu nehmen. Dauer dieser Rede: 19 Minuten
Neuaufstellung des Regionalplans Südhessen: Grundsatzentscheidung über die zukünftige Stadtentwicklung
Obwohl der Haushalt das Hauptthema dieser Sitzung war und viel Vorbereitung und Zeit beanspruchte, kam kurzfristig noch ein Magistratsantrag19 rein. Dieser ist wichtig, denn er stellt Weichen für die Zukunft. Zu diesem Magistratsantrag gab es umfangreiche Unterlagen. Die meisten Stadtverordneten, also nicht nur der Koa, die ja sowieso nicht nach eigenem Gewissen abstimmen dürfen und deshalb die Unterlagen meistens gar nicht erst lesen, waren außerstande, sich in der kurzen Zeit angemessen mit diesem Thema zu beschäftigen.
Worum geht es? Das haben wir schon in einem Blogbeitrag20 erklärt, aus dem wir hier noch mal eine Passage kopieren:
Was ist ein Regionalplan? Dies beantwortet die Webseite des Regierungspräsidenten in Darmstadt so:
„Regionalpläne dienen der Steuerung der räumlichen Entwicklung. Sie machen Vorgaben für die Flächennutzung und setzen damit den planerischen Rahmen für die räumliche Entwicklung einer Region. Die in den Plänen festgelegten Ziele und Grundsätze der Raumordnung sind von allen öffentlichen Stellen bei ihren raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen zu beachten bzw. zu berücksichtigen. Gegenüber der Bauleitplanung der Gemeinden begründen die Ziele eine Anpassungspflicht.“
Nun wird ein neuer Regionalplan entwickelt. Zur Zeit gibt es einen Vorentwurf21, zu dem Bürger und Kommunen Stellungnahmen abgeben können, bis zum 15. Dezember. In diesem Entwurf steht einiges zu „Bioklimatischen Belastungs- und Ausgleichsräumen“ sowie zu „Innenentwicklung und Klimaschutz“. Im Vorentwurf steht auch, dass viele Kleingärten wegkommen sollen.
Dieser Vorentwurf passt der Stadt nicht, denn wenn er in Kraft träte, könnte man keine Baupläne mehr machen, die Stadtteile weiter verdichten und die Grünflächen weiter zubauen. Deshalb hat sie eine Stellungnahme geschrieben, die fordert, den Entwurf in diesen Punkten abzuändern. Und den sollten wir jetzt auf die Schnelle abnicken!

Im Regionalplan geht es um Grundsätzliches, nämlich: „Soll die Bevölkerungszahl immer weiter wachsen oder gibt es irgendwann ein Limit?“ Wir dachten, dieses Limit wäre mit dem Masterplan 2035 beschrieben. Für unsere Stadtregierung und die Koa ist es das nicht, sie arbeiten schon an einem weiteren Masterplan. Wir finden, es sollte eine Grundsatzentscheidung getroffen werden, dass Wachstum endlich ist, leider stehen wir mit dieser Meinung ziemlich allein da.
Wir haben zwei Änderungsanträge geschrieben, einen22 zu „Belastungen in bioklimatischen Belastungsräumen minimieren“, also zum Stopp weiterer Verdichtungen, und einen23 zu „Sicherung des Vorranggebiets für besondere Klimafunktionen – Bieber Waldhof-West“.
Bei dem Teil zum Klima fing einer der Grünen an, laut herumzuschreien und rumzufuchteln. Allerdings hat er sich dann nicht zu Wort gemeldet.
Die Reden dagegen kamen prompt, zuerst von der FDP: Die Rednerin gab zu, dass Nachverdichtungen an ihre Grenzen komme (hört, hört!), und deshalb müssten weitere Außenflächen entwickelt werden. Bieber-Waldhof sei besonders wichtig. Wenn man nicht bauen würde, würde der Wohnraum noch teurer. Dass die Stadt wachsen soll, beschreibt sie eher wie ein Naturgesetz als wie eine Grundsatzentscheidung, bei der man auch anderer Meinung sein kann. Die Kleingärten im Buchraingebiet werden gebraucht, um Gewerbe zu entwickeln. Man müsse ehrlich sein: genug Kompensation gibt es nicht, und die Kleingärten werden platt gemacht. Trotzdem werde man die kompensieren. Ja, wie denn? Ist ein Widerspruch.
Die CDU bemängelte, dass die Verbindungsstraße zur B448 noch nicht aufgenommen sei. Er stimmte uns dann aber zu, dass es einen massiven Widerspruch geben zwischen Innenstadtbegrünung, Erhalt von Grünflächen, Erhalt von Versickerungsflächen und den Verdichtungsplänen. Und dass vehement abgestritten wird, dass die Einwände gegen weitere Bebauung stichhaltig wären. Fragen, die das erwähnte Gutachten zu Bieber-Waldhof West aufwirft, seien nicht beantwortet worden. Die Auswirkungen auf die Stadt könnten zu gravierend sein. Das freut uns natürlich. Die CDU werde nicht mitstimmen, sondern sich enthalten.

Die SPD stimmte „weitgehend“ der FDP zu. Er war empört, dass „hier das Narrativ verbreitet werde“, dass die Koa einen Fetisch des Bevölkerungswachstums habe. Seine weiteren Ausführungen bestätigten aber, dass genau das der Fall ist: man müsse wachsen und die Bevölkerungsstruktur in dieser Stadt „so gestalten, dass genug Einkommen erwirtschaftet wird und genug Steuern gezahlt werden“. Mit anderen Worten, die Stadt will andere Bürger, einen Bevölkerungsaustausch. „Man muss jetzt nicht klatschen, aber ich fand das eine gute Herleitung“ – da kam endlich der SPD-Applaus, den er wohl vermisst hatte. Immerhin kommen wir der Grundsatzdebatte jetzt etwas näher: Gibt es eine Grenze des Wachstums? Die SPD sagt Nein.

Wir warteten jetzt, ob der Grüne vielleicht sein Geschrei erklären könnte. Denn im Gegensatz zu SPD und CDU hatten die Grünen ihre Redezeit noch längst nicht aufgebraucht. Es kam aber nichts, die Grünen blieben stumm.
Er eierte dann noch ein wenig zum Thema Kleingärten herum: „Es gibt Gewinner und Verlierer“, „man muss sich das anschauen“, „die Kleingärtenvereine stehen vor neuen Herausforderungen“, „es wird keine reine Abwehrhaltung geben“ (Wunschdenken), „ein Prozess, den wir begleiten müssen“…. Ja, liebe Kleingartenvereine, das ist eine Kampfansage an Euch, wenn auch durch allgemeines Gelaber verbrämt.
Zu unseren Änderungsanträgen meinte er, dass man sich nicht „vor den Karren einer Klientelgruppe spannen lassen soll“. Ja, interessiert sich die SPD für die Interessen ihrer Wähler? Unsere Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung hat tatsächlich damit etwas zu tun, und wir sind stolz darauf.
Die Linken erklärten, dass es ihnen unmöglich war, die Stellungnahme zu prüfen, angesichts der Kürze der Zeit, dem Umfang der Vorlage und des Haushaltsplans nicht möglich gewesen. Sie werden sich also enthalten.
Das konnte Herr Weiß natürlich nicht so stehen lassen. Helge hätte ein Schreckensszenario gezeichnet, das „so“ nicht stimme. Keineswegs wolle man alles zubauen und verdichten (und wir ist das z.B. mit dem Projekt im Mathildenviertel20?) Es sei alles nur langfristig. Er behauptete dann, Anforderungen, Wohnraum zu schaffen, kämen von oben. Und dann müsse man in dem neuen Entwurf des Regionalplans auch noch die Klimaentwicklung berücksichtigen. Wie soll man beides gleichzeitig schaffen? „Wir sagen nach oben: bitte belaste uns nicht mit neuen Aufgaben“. Als ob der Klimawandel von der Regionalkonferenz erfunden wäre und man sich das Kümmern darum einfach vom Hals halten könnte. Man brauche nun mal gewerbliche Entwicklung und die Steuereinnahmen. Und man brauche eine „ausgewogene Sozialstruktur“. Da haben wir wieder den Bevölkerungsaustausch, in Schönsprech. Also, wenn wir ihn richtig verstehen: Das Bevölkerungswachstum sei ein unausweichliches Schicksal, das Ansinnen, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen, eine menschengemachte Zumutung.
Dazu ergriff Helge noch mal das Wort und erklärte, dass Mühlheim beschlossen hat, nichts weiter zu bauen, auch nicht am Mainbogen in der Nähe der S-Bahn, wo es möglich gewesen wäre. Weil Mühlheim sich lieber erst um seine Infrastruktur kümmert und nicht weiter wachsen will. Ein anderes Beispiel ist Dreieich, das sehr viel Platz hat und jetzt ein großes Gewerbe- und Wohngebiet ausweisen will. Dafür müssen keine Kleingärten platt gemacht werden. Daraufhin ist Herr Oberbürgermeister Dr. Schwenke ausgerastet und fing an, zu gestikulieren und in lärmende Schnappatmung zu verfallen. Die Ermahnungen des Stadtverordnetenvorstehers konnten ihn nur mühsam bändigen.
Es kam dann noch ein FDP-Beitrag, der aber nur in Beschimpfungen bestand: „Abwegig“, „Halbwahrheiten“, „Unwahrheiten“, „Sie haben es intellektuell nicht verstanden“ usw. Er unterstellte, Helge habe behauptet, es stünde in der Stellungnahme, dass weitere Wohnbaugebiete ausgewiesen werden sollen, die nicht im Masterplan stehen. Das ist unwahr, Helge hat über die Gewerbebaugebiete gesprochen, die jetzt in der Stellungnahme der Stadt stehen.
Herr OB hatte sich inzwischen wieder beruhigt und hielt noch eine sehr konziliante Rede, in der er vier Mal sagte, „Helge, Du bist doch auch gewählter Stadtverordneter!“ Und es gehe doch darum, dass man mehr Geld in die Kasse kriegt. „Und deshalb ist es überhaupt nicht schön, wenn Dreieich irgendwelche Gewerbeflächen ausweist!“ Ja, da sollen wir doch lieber unsere Gärten platt machen.
Das Wort „Klima“ haben wir von keinem einzigen Koa-Vertreter oder Vertreterin gehört. Es ist kein Thema für die Koa.
Für unseren Änderungsanträge haben wir gestimmt, die Linken und die Freien Wähler haben sich enthalten, die anderen waren dagegen.
Für den Ursprungsantrag war die Koa, wir waren dagegen und enthalten haben sich die Linke, die CDU, die Freien Wähler und die AFD.
Kommunales Wasserkonzept
Der beim letzten Mal abgesetzte Magistratsantrag24 stand wieder auf der Tagesordnung, und immer noch in der gleichen Fassung, in der die Kooperation mit Mühlheim nicht mehr vorkam. Obwohl ja schon mit Mühlheim verhandelt wird. Nachlesen kann man die bisherige Entwicklung in unserem Bericht zur letzten Sitzung25, der enthält auch Verweise auf frühere Vorgänge.
Die Koa, vor allem die Grünen, die ja verantwortlich sind, wollen nicht, dass rauskommt, was für einen Mist man da gebaut hat. In ihrer Rede hielt die Rednerin einen Vortrag darüber, wie man nachhaltig mit Trinkwasser umgehen sollte. Das war alles fachgerecht, ging aber mit keinem Wort darauf ein, wo denn in Zukunft das Wasser herkommen soll.
Frau Groß erklärte daraufhin, dass es manchmal ein bisschen schwierig sei, die Nerven nicht zu verlieren. Im Mühlheimer Wasserkonzept stehe drin, dass sie kein Wasser zur Verfügung stellen können, und auf das habe man sich bezogen. Das ist allerdings erst nach unserem damaligen Antrag26 geändert worden. Und der wird ja jetzt umgesetzt und man verhandelt ja mit Mühlheim über Lieferungen. Dass wir das ZWO-Wasser nicht bräuchten, sei totaler Unfug. Das glauben wir nicht, denn wenn es stimmt, was die Mühlheimer behaupten, hätten sie genug Wasser.
Wir halten diese Wasserkonzepte für fehlerhaft und haben dagegen gestimmt, die anderen waren dafür.

Finanzierung Station Mitte
Der letzte Antrag auf der öffentlichen Tagesordnung war ein Magistragsantrag27 , mit dem wir gestiegene Kosten für die Station Mitte abnicken sollten. Die Kosten steigen von etwa 35 Millionen auf 41 Millionen. Kostensteigerungen und Folgekosten haben wir ja befürchtet.
Die Grünen betonten, eine fünffache Fläche sei nötig, weil so viele Kinder die brauchen würden. Die Rednerin war sich ganz sicher, dass sich die Fläche füllen wird.
Die CDU und wir haben gegen die Vorlage gestimmt, die AFD hat sich enthalten.
Das war jetzt unsere vorletzte Stadtverodnetensitzung, die letzte wird im Februar kommen. Dann kommen die Wahlen.
Links in diesem Beitrag:
- /www.ofa-ev.de/38-und-39-sitzung/#haushaltsreden
- www.ofa-ev.de/26-sitzung/
- www.ofa-ev.de/18-sitzung/
- www.ofa-ev.de/9-sitzung/
- pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2025-00021613&year=2025&av_dokument_id=21613&view=
- www.offenbach.de/stv-live
- pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290952&av_dokument_id=21477&year=2025
- www.ofa-ev.de/8-sitzung/#Menstruationsprodukte
- www.ofa-ev.de/14-sitzung/#Menstruationsprodukte
- www.ofa-ev.de/38-und-39-sitzung/#nachfragen
- www.ofa-ev.de/41-sitzung/#ganztag
- www.offenbach.de/medien/bindata/of/Umwelt_Klima/Konzept-Mensch-und-Natur-web.pdf
- www.ofa-ev.de/41-sitzung/#regionalplan
- www.ofa-ev.de/43-sitzung/#jahresabschluesse
- https://www.ofa-ev.de/wp-content/uploads/2024/11/Antwort-Station-Mitte-2024-342-Cloud.pdf
- https://www.yumpu.com/de/document/read/69816684/erziehungs-und-bildungsbericht-offenbach-ebo-2024
- https://www.ofa-ev.de/41-sitzung/#ganztag
- https://www.ofa-ev.de/44-sitzung/#betongerippe
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2025-00021676&year=2025&av_dokument_id=21676&view=
- https://www.ofa-ev.de/2025/11/24/wann-platzt-die-stadt/
- https://rp-darmstadt.hessen.de/infrastruktur-und-wirtschaft/regionalplanung/regionalplan-suedhessen/neuaufstellung/
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2025-00021676&year=2025&av_dokument_id=21676&view=
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2025-00021677&year=2025&av_dokument_id=21677&view=
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290983&av_dokument_id=0&year=2025
- https://www.ofa-ev.de/44-sitzung/#wasserkonzept
- https://www.ofa-ev.de/43-sitzung/#wasserversorgung
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290993&av_dokument_id=0&year=2025