06. November 2025
- Beginn: Ferdinand-Kallab-Preis
- Tagesordnung: Wasserkonzept wird zurückgezogen
- Betongerippe am Kaiserlei und Pläne mit der AGB
- Waldentwickungskonzept
- Tierschutz für Tauben
- Ergänzung der Gefahrenabwehrverordnung zu Lachgas
- Friedhofssatzung
- Kulturkarree
- Geoportal und Open Data-Portal: Schwenke kriegt einen Wutanfall und Helge auch

Beginn: Ferdinand-Kallab-Preis
Wie immer in der November-Sitzung wurde vor Beginn der jährliche Ferdinand-Kallab-Preis1 vergeben, dieses Mal auf Vorschlag von uns und der FDP. Wir haben die Seniorenhilfe Offenbach2 vorgeschlagen, die großartige gemeinnützige Arbeit leistet. Sie organisiert nachbarschaftliche Hilfe durch die Vermittlung von Kontakten zu und unter den Mitgliedern, die helfen wollen oder Hilfe benötigen und hat den Preis mehr als verdient. Wir gratulieren ganz herzlich.
Tagesordnung: Wasserkonzept wird zurückgezogen
Nach der Feier begann die Sitzung, hier geht es zur Tagesordnung3, und hier zum Stream4. An der Tagesordnung war dieses Mal auffällig, dass der Magistrat einen Antrag zurückgezogen hatte. Es handelt sich um den Antrag zu einem neuen neuen Wasserkonzept des ZWO, ursprünglich TOP 12 der Tagesordnung. Es lohnt sich nicht, den Link dazu hier eizufügen, denn wenn man darauf klickt, kommt nichts mehr.

Das Wasserkonzept hatte der Magistrat in der siebten Lesung verabschiedet, aber, wie Frau Groß im Umweltausschuss erklärte, war es fehlerhaft. Der Fehler ist wohl zu spät aufgefallen. Wir kannten den Fehler natürlich schon. Frau Groß erläuterte in der Ausschusssitzung, dass man fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass man nicht mit Mühlheim zum Thema Wasserversorgung kooperieren könne, was sich in dem Wasserkonzept widerspiegelte. Und weil das ein Fehler war, habe man den Antrag zurückgezogen. Gespräche mit Mühlheim hatten wir ja in der letzten Sitzung beantragt5, worauf uns von allen in hochnäsiger Herablassung (Grüne) und mit beleidigenden Beschimpfungen (SPD) Unwissen vorgeworfen wurde, was der Herr Stadtverordnetenvorsteher dann als „Sternstunde der Demokratie“ bezeichnete. Bald nach der letzten Sitzung wurde der Fehler ja offensichtlich, und es zeigte sich, wem man Unwissen vorwerfen kann. Aber in dem Wasserkonzept, das bis vor ein paar Tagen noch im PIO stand, war der Fehler enthalten. So weit, so klar.

Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass dieses Wasserkonzept die siebte Version war. Wir empfehlen den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen, die ja auch Magistratsvorlagen einsehen dürfen, sich mal die früheren Versionen anzuschauen, ob dort vielleicht doch etwas zum Thema Kooperation mit Mühlheim steht. Und dann sollten sie sich die zeitliche Reihenfolge klar machen: In welcher Version mit welchem Datum wurde was geändert? Und hat der Zeitpunkt der Änderung vielleicht etwas mit unserem abgelehnten und dann trotzdem umgesetzten Antrag zur Kooperation mit Mühlheim zu tun?
Betongerippe am Kaiserlei und Pläne mit der AGB
In diesem Magistratsantrag6 geht es um das Bauprojekt am Kaiserlei. Die Frankfurter Firma AGB plant, das Gelände zu kaufen und dort ein gemischtes Viertel mit Wohnungen zu bauen. Wir freuen uns, wie wohl alle in Offenbach, dass die grässlichen Ruinen wegkommen. Der Beton soll leider nicht mehr stabil sein und nicht mehr wiedergenutzt werden, d.h. es ist damals bei seiner Herstellung unnötig viel CO2 in die Luft geblasen worden, tja.
Wir freuen uns auch, wenn dort Wohnraum entsteht. Aber wir fürchten, dass die wenigsten Wohnungen dort wirklich „bezahlbar“ sein werden.
Von der Seite kamen Zwischenrufe vom Oberbürgermeister: „Ach, Ihr lest auch die Kritische Geographie?“ Das wir das tun, ist ja hinlänglich bekannt, Lea hat die Kritische Geographie ja auch interviewt und dazu einen Blogbeitrag geschrieben, hier7. Weitere Anmerkungen zu Helges Rede kamen nicht.
Die FDP erklärte, es sei gut, dass es nur 10 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen gebe, denn sonst bekäme man einen sozialen Brennpunkt. Sie glaubt also, dass bezahlbarer Wohnraum automatisch soziale Brennpunkte verursacht.
In der Abstimmung haben nicht nur wir uns enthalten, sondern auch die Freien Wähler und die AFD. Die Linken haben dafür gestimmt. Das hätte uns sonst gewundert, da sie sich ja so für bezahlbaren Wohnraum stark machen. Aber in der Zeitung hatten wir schon gelesen, dass Herr Schwenke „alle relevanten Fraktionen“ eingebunden hat und dass auch die Linken zustimmen würden. Ja, zu viel Opposition stört beim Hurra. Aber wir sind ja nicht relevant.

Waldentwickungskonzept
Das Thema Wald hatten wir in den vergangenen Jahren schon öfter. Immer ging es darum, dass man eine Beratungsfirma ein Waldentwicklungskonzept erarbeiten soll, aus dem hervorgeht, wieviel Ökopunkte man mit dem Wald erzielen könnte.
- Hier ist unsere Betrachtung zum Thema Ökopunkte und Waldwirtschaft vom Januar 2023: https://www.ofa-ev.de/2023/01/15/oekopunkte-sollten-lieber-naturzerstoerungspunkte-heissen/
- Das Thema Waldwirtschaftsplan kam auch in der Haushaltssitzung im Dezember 2022 vor: https://www.ofa-ev.de/18-sitzung/#pb13
- Hier eine Antwort vom Januar 2023 auf eine Anfrage von uns zum Thema Waldenwicklungskonzept und Ökopunkte: https://www.ofa-ev.de/wp-content/uploads/2023/02/Antwort-Bericht-zu-Oekopunkten.pdf. In dieser versprach Herr OB Schwenke, dass „nach erfolgter Ausschreibung mit einem Leistungszeitraum von ca. 18 Monaten“ zu rechnen sei. Tja, jetzt ist schon Ende 2025
Auf das Ergebnis, also das Waldentwicklungskonzept, haben wir vier Jahre gewartet. In dieser Zeit galt für den Wald ein wirtschaftliches Moratorium.
Wir kritisieren den starken Fokus auf die Schaffung von Ökopunkten. Ökopunkte sollten eigentlich Naturzerstörungspunkte8 heißen, weil sie eine Währung sind, mit der man sich die Lizenz zur Naturzerstörung kaufen kann. Und wir kritisieren auch, dass das Waldwirtschaftskonzept nicht mit dem Schwammstadtkonzept zusammenpasst.
Es gab dann noch einiges Genörgel und Diskussionen, die relativ wenig zielführend waren.
Die CDU hat gegen das Konzept gestimmt, die AFD hat sich enthalten und wir haben trotz dieser Mängel mit Bauchschmerzen dafür gestimmt. Die anderen Fraktion haben haben ohne Bauchschmerzen auch dafür gestimmt.
Tierschutz für Tauben
Bisher hat es in Offenbach keinerlei Bemühungen gegeben, etwas für den Tierschutz für Tauben zu unternehmen. Es gab einen Magistratsbericht9, der zu dem Schluss kam, dass ein Stadttaubenmanagement z.B. nach dem Augsburger Modell zu teuer für Offenbach wäre. Wir fanden, dass das trotzdem kein Grund war, gar nichts zu machen und haben einen Antrag10 gestellt, mit acht Einzelmaßnahmen, die man erst mal machen könnte. Wir wollten, dass die einzeln abgestimmt würden, um der Koa eine Chance zu geben, vielleicht wenigstens dem einen oder anderen zuzustimmen. In der vorherigen Ausschusssitzung fragten die Grünen die SPD, ob sie denn schon mit den Taubenfreunden geredet hätte, die Antwort war nur ein Achselzucken. Das war kein gutes Zeichen.
Unsere Hoffnung, dass die Koa das Thema wenigstens in einigen Punkten den Tierschutz für Tauben wichtig gefunden hätte, hat sich leider zerschlagen.

Die erste Gegenrede hielt die SPD: Man müsse erst den Bericht des Magistrats zum Thema Hochzeitstauben abwarten (siehe hierzu unseren Bericht der vorigen Sitzung11). Uns erschließt sich nicht, warum man nicht trotzdem Informationsveranstaltungen zur Problematik machen kann. Was ist die Logik dahinter? Und auch ein einziges Taubenhaus würde viel zu viel kosten. Sie nannte dann völlig überhöhte Kostenabschätzungen.
Und dann wurde die Argumentation der Rednerin richtig schäbig: Dieses Geld würde dann fehlen, um den Obdachlosen zu helfen. Also, sie wägt tatsächlich die Kosten für ein Taubenhaus gegen die Hilfe für Obdachlose ab! Mit anderen Worten, man würde den Obdachlosen schaden, wenn man Geld für ein Taubenhaus ausgibt! Da könnten wir ja auch mal vergleichen:
- Was kostet der Umbau des Rathauspavillons, Studien und noch mal Studien und jetzt 3,5 Millionen? (Siehe unsere letzte Haushaltsrede12)
- Was buttert die Stadt immer über komplizierte Umwege jährlich in das Fußballstadion? (Siehe die Antwort auf unsere Anfrage13)
- Was kosten die vier extra Stellen, die sich der hauptamtliche Magistrat 2023 genehmigt hatte?
- Was kostet der persönliche Social Media-Berater exklusiv für den Herrn Oberbürgermeister? (Siehe unseren Bericht14 über die letzte Haushaltssitzung)
- und noch vieles mehr. Die nächste Sitzung ist ja wieder die Haushaltssitzung…
Ja, warum vergleichen wir das nicht mit der Obdachlosenhilfe? Weil wir uns mit so einem Vergleich verlogen und unanständig vorkommen würden.
Zum Schluss ihrer Rede ging sie auf unsere achte Forderung ein, das Stadttaubenprojekt Frankfurt mit einer Spende oder einer Mitgliedschaft zu unterstützen. Man dürfe Vereinen keine Spenden zahlen und deshalb mache eine Mitgliedschaft keinen Sinn. Hä? Wie war das mit dem Freifunkverein Frankfurt? Da gab es doch den Beschluss einer Mitgliedschaft der Stadt Offenbach15? Die SPD argumentiert mal so und mal so, je nachdem, wie es ihr in den Kram passt. Glauben darf man schon mal gar nichts.
Die AFD regte sich dann noch auf, es sei eine Zumutung, dass alle acht Punkte einzeln abgestimmt werden sollten. Wir wüssten doch, dass die alle abgelehnt würden. Ja, die AFD schleimt sich lieber bei der Koa ein, das kennen wir schon.
So haben die Kollegen und Kolleginnen abgestimmt:
| Teile des Antrags | Dafür (die anderen sind dagegen) |
| 1. Infoveranstaltungen | Ofa |
| 2. Flyer und Ansprache im Standesamt | Ofa |
| 3. Ein Taubenhaus als Anschauung | Ofa, Linke |
| 4. Werbung für Taubenhäuser | Ofa, Linke, Freie Wähler |
| 5. Entfernung der Plakate | Ofa, Linke |
| 6. Aufklärung über Wildbrüter | Ofa, Linke, Freie Wähler |
| 7. Untersuchung der Immobilien | Ofa |
| 8. Unterstützung des Stadttaubenprojekts Frankfurt | Ofa, Linke, Freie Wähler |
Ergänzung der Gefahrenabwehrverordnung zu Lachgas
Die Idee zu diesem Antrag16 hatte Nilay. Wir haben ja kürzlich beschlossen, das Lachgas nicht mehr an Minderjährige verkauft werden darf. Aber an vielen Stellen findet man auch Erwachsene, die Lachgas konsumieren, vor allem in Parkanlagen. Deshalb ist es weiterhin an vielen Stellen, z. B. Wasserhäuschen, erhältlich. Und deshalb sind diese Erwachsenen coole Vorbilder für Jugendliche. Frankfurt hat seine Verordnung17 erweitert, dass auch der Konsum von Lachgas an vielen Orten in der Stadt verboten wird, auch für Erwachsene.
So etwas sollten wir in Offenbach auch machen.
Die Koa hat einen Änderungsantrag18 gestellt. Der liest sich fast genauso wie unser Ursprungsantrag, aber der Unterschied besteht darin, dass der Magistrat das direkt machen soll, was wir natürlich gut finden, aaaber, er willll ein Verbot nur auf „Spielplätzen, Ballspielplätzen, Schulhöfen und sonstigen vorrangig für Kinder- und Jugendliche vorgesehenen Flächen“. Bei uns stand darüber hinaus auch „Grünanlagen, Fußgängerzonen“. Die haben sie gestrichen. Aber gerade in Grünanlagen tummeln sich die meisten Konsumenten. In den Reden zum Antrag begründete die Koa das damit, dass ein Verbot des Konsums dort juristisch anfechtbar sei. Das kapieren wir nicht, in Frankfurt ging das doch auch. Vielleicht wäre es besser gewesen, doch zu „prüfen und zu berichten“. Man hätte dafür einfach die Frankfurter fragen können, was bei ihrer Prüfung juristisch herausgekommen war, schon wäre die Prüfung fertig gewesen. Aber wenn wir einen Antrag stellen, in dem steht, dass man einfach machen soll, kommt ein Abfangjäger, dass man erst prüfen und berichten soll. Und umgekehrt! So kann man immer Abfangjäger schreiben.
Die Grünen sagten wörtlich: „In Frankfurt geht’s, dann geht es in Offenbach ja auch!“ Hä? Das sagen wir doch auch. Er sagte auch, dass man sich „sonst ein paar Monate mit Lesen und Bericht schreiben aufgehalten hätte.“ Das bestätigt unseren traurigen Verdacht: Es geht sehr langsam zu bei der Koa. Wir hatten ja öfter mal versucht, mit den Grünen zu kooperieren, aber das ging nicht, weil sie immer viele Wochen brauchen, bis sie mal eine Meinung zu Vorschlägen gefunden hatten. Dadurch war die Kommunikation immer sehr zäh und ergebnislos (bei der SPD und FDP ist es nicht besser, die antworten gar nicht erst auf unsere Mails).
Immerhin ist unser Anliegen damit durchgekommen, wenn auch verwässert. Die Mehrheit hat dann für den Änderungsantrag gestimmt.
Friedhofssatzung
Vor ein paar Wochen berichtete die Offenbach-Post19, dass die Stadtwerke auf Urnenfeldgräbern des Friedhofs Bieber Grabschmuck entfernt hatten, ohne vorherige Ankündigung. Angehörige reagierten verletzt und empört. Es stellte sich heraus, dass das in Bürgel anders gehandhabt wird, dort werden die Andenken einmal pro Jahr zur Seite geräumt, um den Rasen zu mähen, und dann wieder aufgestellt. Das respektiert die Trauer der Angehörigen. Wir denken, man könnte die Friedhofssatzung etwas ändern, damit dies der Normalzustand auch auf den anderen Friedhöfen wird und haben einen entsprechenden Antrag20 gestellt.
Die SPD meinte, dann hätte man einen höheren Personalaufwand und höhere Kosten, und so seien die Friedhofsgebühren halt nicht kalkuliert worden, es würde „die ganze Friedhofssatzung für Bieber sprengen, es müsste ein riesiger Aufwand gemacht werden, hohe Kosten und dann kommt der Friedhof und sagt, wir brauchen mehr Geld.“ Tja, liebe Trauernde, Pech gehabt, Ihr seid halt schlecht beraten worden. Ein Redner der Linken pflichtete ihm dann bei. Diese Entscheidung finden wir herzlos. Warum geht das in Bürgel und in Bieber nicht?
Für den Antrag gestimmt haben nur wir, alle anderen waren dagegen.
Kulturkarree
Die Linken haben einen Antrag21 gestellt, dass ein Konzept die zukünftige Nutzung des Kulturkarrees entwickelt werden soll, damit es dort Veranstaltungsräume für die Vereine und für alle geben kann.
Auch wir machen uns Sorgen um das Kulturkarree. Die Stadtbücherei soll ja in das ehemalige Kaufhofgebäude umziehen. Aber was wird dann aus dem Bücherturm? Wir fürchten, dass er verkauft wird und dann nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Der Lili-Tempel war ja auch mal für Kultur und die Öffentlichkeit zugänglich, jetzt ist er vollständig in privater Hand, siehe einen Beitrag von Lea zum Thema22. Auch im Dreieichpark ist ein hübsches Gebäude, das ehemalige Rosenheimmuseum23, das mal öffentlich war und jetzt vollständig in privatem Besitz ist. Diese Verluste machen die Offenbacher Bürgerinnen und Bürger ärmer. Das Kulturkarree ist ein funktionierendes Stadtviertel, nur ein paar hundert Meter von der Innenstadt entfernt, und jetzt soll es ausgeschlachtet werden. Wofür?


Die SPD sprach in einer Gegenrede davon, dass man „mit der Station Mitte als großes Zukunftsprojekt einen kulturellen Leuchtturm schaffen“ würde. Darunter geht es nicht. Und warum verhindern die Station-Mitte-Pläne Gedanken über das Kulturkarree? Was die Station Mitte angeht, ist noch nichts in Sicht, das Konzept wird ständig geändert, die Finanzierung ist auch unklar, da muss man wohl erst mal wieder gewaltig angeben. Wir hoffen ja auch, dass das nicht in die Hose geht, aber ein wenig Sorgen machen wir uns doch, vor allem auch um das schöne Kulturkarree. Für ein Konzept für seine Nachnutzung sei es einfach zu früh. Erst müsse die Station Mitte fertig sein. Wir hoffen dringend, dass das nicht so endet wie mit dem Lili-Tempel.
Für den Antrag gestimmt haben nur die Linken und wir, die anderen waren dagegen.
Geoportal und Open Data-Portal: Schwenke kriegt einen Wutanfall und Helge auch
In diesem Antrag24 ging es uns darum, dass seit Jahren das Blaue vom Himmel versprochen wird, was ein Open-Data-Portal angeht, es sich aber nicht materialisiert. Wir glauben den Versprechungen nicht mehr und wollen jetzt endlich mal ehrliche Fakten sehen. Das Problem ist weniger die Software, aber umso mehr die Daten. Die sind nicht in kompatiblen Formaten, sondern stecken in sogenannten Datensilos in verschiedenen Ämtern (siehe hier25), manche Ämter wollen sie womöglich gar nicht rausrücken, sie sind nicht aktualisiert und es gibt kein Personal, sich darum zu kümmern. Trotzdem gibt es immer wieder Shows und Versprechungen, sowie widersprüchliche Informationen, zuletzt in der letzten Stv-Sitzung26. Wir haben also beantragt, dass jetzt mal ein wenig ausführlicher berichtet wird, wie die Stellensituation jetzt ist und wann man denn endlich welche Ergebnisse sehen könnte. In ihrer Rede schildert Annette den krassen Unterschied zwischen Fakten und Versprechungen.
Wir hatten unsere Reden schon fertiggeschrieben, da veröffentlichte das Presseamt am Sitzungstag kurz vor Eins eine Pressemitteilung27, dass es jetzt ein Open Data Portal28 gebe. Donnerwetter! Das haben wir natürlich gleich angeschaut und untersucht. Und gemerkt, dass es äußerst dünn ist. Es enthält gerade mal fünf Datensätze, die schon seit Jahren vom Amt für Statistik veröffentlicht werden. Wahrscheinlich war das eine Aktion der Verzweiflung, damit die Koa was zum Angeben und zum Gegenhalten hat. Also haben wir die Rede noch mal ergänzt und genau erklärt, was man von diesem Portal zur Zeit erwarten kann.
Herr OB Schwenke hat wohl nicht damit gerechnet, dass wir die Pressemitteilung so kurz vor der Sitzung noch bemerken würden. Wahrscheinlich hatte er sich schon die ganze Zeit auf einen Triumph gefreut, nach dem Motto: „Ätschebätsch, das Open Data Portal ist doch da! Was habt Ihr denn überhaupt?“. Und wahrscheinlich, so kann man mutmaßen, mussten das Amt für Statistik und die Stabsstelle Digitalisierung jetzt möglichst schnell doch irgendetwas Vorzeigbares aus dem Hut zaubern. Da hat man halt die Daten genommen, die sowieso schon öffentlich waren und hat die schnell auch noch in offene Formate umgewandelt. Für die Umwandlung einer PDF- oder Excel-Datei in ein offenes Format braucht man oft nur die Exportfunktion eines Programms oder einfache Verfahren mit ein paar Klicks. Eine studentische Hilfskraft erledigt das in kurzer Zeit. Helfen kann auch eine KI, wenn es viele Dateien sind.
Jedenfalls fing Herr Schwenke an zu lärmen, als Annette am Anfang ihrer Rede von der Jubel- und Hurrah-Abendveranstaltung 2023 sprach. Bei ihrem Satz „Ja, Sie hören richtig: Seit heute gibt es ein Open Data Portal“ steigerte er sein Geschrei. Ab dem Satz „Aber schauen wir uns das neue Portal mal an“ ebbte es dann allmählich ab.
Der erste Gegenredner war dann nicht der OB, sondern ein anderer SPDler. Er behauptete, das Open Data Portal gebe es schon seit August. Hm? Aber warum kam die Pressemitteilung dann erst am Sitzungstag, den 06. November, um Viertel vor Eins? Woher soll man das dann wissen? Und woher wusste der SPD-Mann das mit dem August? Ach ja, wir hatten uns ja beschwert, dass die Kollegen und Kolleginnen von der Koa einen direkten Zugang zur Verwaltung haben, die von der Opposition aber nicht. Das kam ja auch in der Rede vor, dass die FDP sich erst neulich wieder einmal mit der Stabsstelle Digitalisierung treffen durfte, und da hatte auch niemand widersprochen. Diese Ungleichbehandlung von Stadtverordneten ist ja ungesetzlich, und eigentlich hätte die Reaktion ein empörtes Dementi der Koa sein müssen. War sie aber nicht. Im Gegenteil, ab und zu geben Koa-Vertreter sogar mit ihren Wissensvorsprüngen an. Was jedoch den Wissensvorsprung in Sachen Digitalisierung angeht… tja, da ist die Offenbacher Stadtverordnetenversammlung leider das Tal der Ahnungslosen.
Aber zurück zum SPD-Redner. Er behauptete dann allen Ernstes, wir hätten uns beschwert, dass die Stabsstelle Digitalisierung von unseren Steuergeldern bezahlt würde. Hä?? Hä?? und nochmals Hä?? Liebe SPD, hört doch einfach zu, oder lest hier noch mal nach! Nichts dergleichen haben wir gesagt! Wie kann man denn miteinander diskutieren, wenn man Ihr erst mal Fake News um Euch schleudert?? Wir haben gesagt: „Die Stabsstelle Digitalisierung hat geliefert.“ Nichts zu Finanzierung! Die Ämter haben nicht geliefert, und zwar seit Jahren nicht. Ja, dazu sagte der SPD-Mann noch: „Das kann dauern“. Ja, aber es dauert doch schon, viele Jahre! Wie viele sollen es denn noch werden?
Also, die Konsequenz aus diesem Dauern ist, dass hier Dinge beschlossen werden wie die Veröffentlichung des Geo-Portals in der vorletzten Sitzung29, während die Koa ganz genau weiß, dass das erst zum St. Nimmerleinstag passieren wird. Das kann man schon Bürgerverarschung nennen. Helge erklärte dies dann in einem kurzen Redebeitrag. Ja, wir wissen ja auch, dass es dauert und dass die Stellen zu knapp sind, genau deshalb wollen wir darüber Aufklärung und keine Vernebelung. Mehr nicht.
Da ergriff der Oberbürgermeister das Wort. Einleitend erklärte er, dass das Thema des Antrags, das Open-Data Portal nur ein „privates Hobby“ sei und fuhr fort: „Aber es fällt mir wirklich, muss ich ganz ehrlich sagen, schwer zu ertragen, welche Bedeutung diesem Thema beigemessen wird“. Dieser eine Satz erklärt schon die Tragödie, warum Deutschland in Sachen Digitalisierung so rückständig ist und im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt. Offenbach ist ein typisches Beispiel. Niemand, der im Rathaus etwas zu sagen hat, hat Ahnung von Digitalisierung, und noch schlimmer, niemand erkennt, wie wichtig sie für unsere Zukunft ist. Die Stabsstelle Digitalisierung hat nichts zu sagen. Sehr viele Leute haben Angst vor Neuem, wie z.B. neuer Software und digitalen Verfahren, so wohl auch in unserem Offenbach. Daher kommen Vermeidungsstrategien, man hat Angst vor Überforderung und es soll alles so weiter laufen wie bisher. In unserem Wahlprogramm fordern wir ein eigenes Digitalisierungsreferat mit fachkundiger Leitung und mehr digitale Bildung auch für Erwachsene.
„Ich habe ja viel Verständnis für private Hobbys. Aber es fällt mir wirklich, muss ich ganz ehrlich sagen, schwer zu ertragen, welche Bedeutung diesem Thema beigemessen wird“.
Oberbürgermeister Dr. Schwenke zum Thema Open Data Portal und Geoportal
Annette hat dieses Trauerspiel vor kurzem in einem Vortrag30 beim CCC Darmstadt erklärt (Ein Open-Data Portal kommt nicht in die Gänge – Ursachenerforschung mit Hindernissen).
Aber zurück zum OB: Gleich im nächsten Satz erboste er sich, dass wir es wagen, ihn zu kritisieren, sein denglisches Marketing, an dem nicht gespart wird, vor allem nicht an Slogans und Sprüchen. Majestätsbeleidigung! Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir die horrenden Ausgaben für Schall und Rauch, die großspurigen Shows zum Thema „Open City“ und die nicht gehaltenen Versprechungen kritisieren. Und uns über das Denglisch lustig machen31.

Man hat halt andere Prioritäten und man müsse die Stadt interessant für Investoren machen. Ob das mit diesem Marketing wirklich gelingt? Die Investoren sind doch nicht dumm, sondern schauen nach, was hinter den Versprechungen steckt. Und dass es nicht so schnell voran geht, liege daran, dass die Fördergelder nicht reichen, obwohl die Stabsstelle arbeitet und arbeitet. Letzteres haben wir nie bestritten, das Problem ist stattdessen, dass die Daten in Silos in der Verwaltung stecken und niemand in der Lage ist, sie da raus zu holen. Und da können auch keine Fördermittel helfen.
Er fing dann an zu schreien: Man habe halt zu wenig Leute und andere Prioritäten. Und wir hätten nur Halbwissen und die Unverschämtheit, über die Zahl der Stellen auch noch Informationen zu verlangen. Man habe Wichtigeres zu tun als zu berichten. Man habe andere Prioritäten, und Auskunft geben würde viel zu viel Zeit kosten. Also, verstehen wir das richtig, es kostet zu viel Zeit, diese Informationen über die Zahl der besetzten und nicht besetzten Stellen einmal im Jahr rüberzureichen? Und der Herr OB meint, unser Wissen zu Digitalisierung sei Halbwissen? Hat er schon mal selbst mit einer Excel-Datei gearbeitet? Oder sogar den Inhalt der Datei in einem anderen Format exportiert? Sonst wüsste er, wie lachhaft schnell das geht. Man müsse die Stadt für Investoren attraktiv machen, schrie er dann noch. Aber das geht auf Dauer nicht mit bombastischen Versprechungen, die nicht eingehalten werden.
Darauf, dass er in der letzten Sitzung26 großartig „die Verantwortung“ übernommen, aber dann nicht geliefert hatte, ging er nicht ein.
Danach sprach noch Herr Weiß uns sagte u.a.: „Und intern, das kann ich Ihnen sagen, ist das Geoportal schon gut angefüttert“. Donnerwetter! Kann man dieses Mal glauben? Das hatte ich schon 2021 aus seinem Dezernat gehört. Aber wenn es stimmt, warum ist er dann nicht dafür, dass das im Ausschuss berichtet werden kann? Wir wollten doch statt Versprechungen ehrliche Berichte.
Übrigens ist unser OB auch nicht über die juristischen Randbedingungen eines Open Data-Portals informiert. In der Pressemitteilung27 lässt er sich zitieren mit:
„Ein Blankoversprechen jederzeit alle Daten kostenlos zugänglich zu machen, können wir aber nicht abgeben, weil wir natürlich verhindern müssen, dass Großkonzerne durch unsere Daten Geld verdienen, während die Bürgerinnen und Bürger als ‚Besitzerinnen und Besitzer‘ der Stadt und damit eben auch ihrer Daten nichts bekommen.“
Dies ist juristisch nicht haltbar. Eine EU-Verordnung32 und die Vorgaben33 der Bundesregierung sehen vor, dass alle Daten, die mit Steuergeldern finanziert sind, grundsätzlich eine offene Lizenz haben müssen. Eine offene Lizenz erlaubt nicht, für Daten zu kassieren. Im übrigen sind sie ja schon von Steuergeldern bezahlt, und die Wirtschaft, die davon profitieren würde, ist die Offenbacher Wirtschaft. Die „Großkonzerne“ haben keinen Vorteil von diesen Daten.
In der Abstimmung waren nur wir für unseren Antrag, alle anderen waren dagegen.
Die Sitzung war dann gegen 0:30 Uhr zuende. Zum ersten Mal hatten wir fast unsere ganze Redezeit verbraucht, ein neuer Rekord. Sonst waren wir meistens das Schlusslicht.
Links in diesem Beitrag:
- https://www.offenbach.de/buerger_innen/rathaus-politik/politik/parlament-und-fraktionen/ehrungen-und-preise/kallab-preis.php
- https://www.seniorenhilfe-offenbach.com
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- https://www.offenbach.de/buerger_innen/rathaus-politik/politik/liveticker/live-aus-der-stadtverordnetenversammlung-november-2025.php
- https://www.ofa-ev.de/43-sitzung/#wasserversorgung
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290963&av_dokument_id=0&year=2025
- https://www.ofa-ev.de/2024/10/06/humorvoller-widerstand-mit-memes-gegen-missstaende-in-offenbach/
- https://www.ofa-ev.de/2023/01/15/oekopunkte-sollten-lieber-naturzerstoerungspunkte-heissen/
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2024-00020810&year=2024&av_dokument_id=20810&view=&
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290950&av_dokument_id=21475&year=2025
- https://www.ofa-ev.de/43-sitzung/#hochzeitstauben
- https://www.ofa-ev.de/38-und-39-sitzung/#ofa
- https://www.ofa-ev.de/wp-content/uploads/2025/01/Antwort-Beihilfe-Bieberer-Berg-2025-029-Cloud.pdf
- https://www.ofa-ev.de/38-und-39-sitzung/#social-media-referent
- https://www.ofa-ev.de/35-sitzung/#freifunk
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2025-00021467&year=2025&av_dokument_id=21467&view=
- https://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME=%27M_89_2025%27
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&docid=2025-00021539&year=2025&av_dokument_id=21539&view=
- https://www.op-online.de/offenbach/reagieren-empoert-stadtwerke-entfernen-grabschmuck-angehoerige-93986150.html
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290945&av_dokument_id=21470&year=2025
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290946&av_dokument_id=21471&year=2025
- https://www.ofa-ev.de/2025/08/20/zwischen-kultur-und-kommerz-das-buesing-palais-der-lili-tempel-und-der-streit-um-die-offenbacher-stadtbuecherei/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenheim-Museum
- https://pio.offenbach.de/index.php?aktiv=doc&doctype=1&dsnummer=2021-26%2FDS-I%28A%290948&av_dokument_id=21473&year=2025
- https://www.ofa-ev.de/2024/02/17/ein-open-data-portal-fuer-offenbach/
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- https://www.offenbach.de/presse/pressemeldungen/pressemeldungen-november/pressemeldungen-KW45/stabstelle-digitalisierung-open-data06.11.2025.php
- https://offenedaten.offenbach.de
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- https://media.ccc.de/v/2025-517-ein-open-data-portal-kommt-nicht-in-die-gange-ursachenerforschung-mit-hindernissen/playlist
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