Ein Hoffnungsschimmer für das ehemalige Druckmaschinenwerk in Offenbach

24. April 2026

von Helge Herget


Drohung mit Planungsrecht ist der falsche Weg

Die Zukunft des Manroland-Shetfed-Werks steht in den Sternen. Hintergrund: Das Ersatzteilgeschäft und die Markenrechte sind in der Insolvenzmasse. Die Grundstücke und Gebäude, auch das der Gießerei, gehören nicht zur Insolvenzmasse, sondern weiterhin der Langley Holding. Sie hatte sie in den vergangenen Jahren an Manroland Shetfed verpachtet. Es ist zu vermuten, dass Langley diese nicht verkaufen, sondern auch in Zukunft verpachten will. Da werden Drohungen des Oberbürgermeisters, dass man mit Hilfe des Planungsrechts Druck ausüben könnte, nichts helfen. Man muss froh sein, wenn man neue Pächter findet, die ein neues Geschäft in Offenbach aufziehen wollen. Das Ziel ist daher, Pächter zu finden, die wieder Industrie nach Offenbach bringen. Viele Maschinen kann der Insolvenzverwalter woanders hin verkaufen, nicht aber die fest installierten Teile der Gießerei. Wenn sich ein Käufer findet, der diese übernimmt, wird er vermutlich das Grundstück und das Gießereigebäude von Langley pachten.

In der Gießerei


Wie realistisch sind diese Spekulationen oder andere, die man in der Zeitung liest?

In der langen Geschichte vom Offenbacher Druckmaschinenhersteller wurde dort schon vieles gefertigt: Ein Beispiel sind Gussplatten für Granatwerfer im Zweiten Weltkrieg. In den 90er Jahren hat Roland für die Firma MTU Ölgehäuse gegossen, die dann im Leopard Panzer verbaut wurden. Auch die Firma Renk bezog ihre Gussteile für Getriebe aus der Offenbacher Gießerei.

Und jetzt steht das Ende an für den Betrieb? Eine Insolvenz in Eigenverwaltung ist gescheitert. Der Betrieb soll schnellstmöglich abgewickelt werden. Aber ist das wirklich das ENDE?

Es könnte noch weitere Optionen geben: KNDS (Kraus Maffei Wegmann /Nexter) sucht ein Werk für Panzerproduktion. Das soll, so steht es im Handelsblatt, möglichst ein Automobilbetrieb mit eingespielter Mannschaft sein, damit es schnell geht und die Produktion hochgefahren werden kann. In Offenbach stehen jetzt Hallen leer, eine Gießerei und Montagebänder auch für tonnenschwere Maschinen stehen bereit. Und ein eingespieltes Team und hochqualifizierte Mitarbeiter gibt es auch, sowie eine Gießerei. Die hat bisher zwar nur Grau- und Sphäroguss gegossen, aber das ist kein Problem. Gießereifachleute wissen: Die Mittelfrequenzschmelzöfen müssten nur von saurer auf basische Zugestellung umgestellt werden und schon könnte auch Panzerstahl vergossen werden.

Die Produktionskapazität für Panzerstahl in Deutschland ist aktuell zu gering. Die Firma Schmees hat ihre Gießerei umgestellt, aber für den Panzerbauer KNDS langt ihre eigene Kapazität schon lange nicht mehr aus. Manroland hat dagegen eine zugelassene Kapazität von 20.000 Jahrestonnen. Bis zu dieser Menge kann die Gießerei sofort produzieren, ohne dass neue Genehmigungen beantragt und weitere Auflagen erfüllt werden müssten.

Die mechanische Fertigung ist auf Zahnräder spezialisiert. Das ist auch wichtig für Getriebe. Die langjährige Erfahrung im Druckmaschinenbau ist die beste Voraussetzung für ein exzellentes Fertigungs-Knowhow. Montagebänder sind schon vorhanden.

Ist vielleicht so eine Zukunft schon geplant? Die schnelle Abwicklung lässt das vermuten. Im Sommer 2012 bei unserem Englandurlaub haben wir die Zentrale von Langley in Retford besucht: ein unscheinbares Gebäude, typisches englisches Understatement. Der nächste Schritt zur Rettung des Standorts sollte nicht darin bestehen, Drohungen auszustoßen, sondern stattdessen Langley auf diese Option aufmerksam zu machen. Ich glaube, ich werde jetzt mal aktiv.



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