von Annette Schaper-Herget
Das Problem

Die Digitalisierung ist uns wichtig, aber wir sehen auch ganz klar, dass sie viele Mitbürgerinnen und Mitbürger überfordert, vor allem die Älteren. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass alle mitgenommen werden.
Die Digitalisierung erreicht das tägliche Leben. Bis vor einiger Zeit war es noch möglich, dies zu ignorieren, denn man hatte noch die Wahl. Eine Bahncard konnte man am Schalter kaufen, einen Arzttermin per Telefongespräch aushandeln und für Gespräche mit der Krankenkasse konnte man ein Büro besuchen. Es gab auch viele Fachgeschäfte in Offenbach, so dass man eine gute Auswahl hatte. Nun ist es nicht zu übersehen, dass diese Angebote verschwinden. Nach und nach gibt es immer mehr Dienste, die man ohne Online-Zugang nicht mehr in Anspruch nehmen kann.
Es gibt viele Menschen, für die dies ein Problem darstellt. Manche, vor allem Ältere, fühlen sich überfordert. Sie hatten bisher mit dem Internet nichts zu tun und haben nicht gelernt, damit umzugehen. Es gibt auch welche, die es ablehnen, von den großen Tech-Firmen überwacht zu werden, und die fürchten, manipuliert zu werden. Diese Menschen werden immer stärker von der Teilhabe ausgeschlossen.
Die Wahlprüfsteine des Seniorenrats
Wie gehen wir damit um? Das hat uns auch der Seniorenrat in seinen Wahlprüfsteinen1 gefragt. Wir haben in unserer Antwort2 einen Vorschlag aufgegriffen, den wir dem Seniorenrat Anfang 2024 gemacht haben: Man könnte die verschiedenen Beratungs- und Fortbildungsangebote, die es schon gibt, z.B. von der VHS, dem Freiwilligenzentrum, weiteren Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Seniorenzentren, und einigen Quartiersmanager und Kirchengemeinden, in einer Anlaufstelle bündeln. Denn diese Angebote sind leider noch sehr unkoordiniert und interessierte Senioren haben keinen Überblick. Interessierte würden von dieser Stelle, die z.B. an der Volkshochschule angesiedelt sein könnte, weitervermittelt. Dieser Vorschlag ist sogar von einer Arbeitsgruppe des Seniorenrates entwickelt worden, in der Annette und John3 von Ofa mitgearbeitet haben.
Wir hatten einen entsprechenden Antrag entworfen und gehofft, dass er fraktionsübergreifend von allen Fraktionen mitgetragen werden könnte. Wir hatten den Seniorenrat auch gebeten, für diesen Antrag eine Empfehlung auszusprechen, denn das hätte die anderen Fraktionen vielleicht überzeugt, mitzumachen. Dies hatte der Seniorenrat leider abgelehnt. Die Begründung war, dass man nicht nur eine Fraktion unterstützen wolle. Unser Vorschlag war extra bescheiden, damit er bei unseren Kolleginnen und Kollegen der Stadtverordnetenversammlung überhaupt in Erwägung gezogen würde.
Natürlich hatten wir diesen Vorschlag in unserer Antwort auf die Wahlprüfsteine wieder aufgegriffen und geschrieben, dass wir hierzu gerne mit dem Seniorenrat zusammenarbeiten würden. Aber leider war der Seniorenrat damit wieder nicht zufrieden: Er schreibt „Das Problem der digitalen Teilhabe ist zwar erkannt. Über bereits existierende Angebote wie die kostenlose Unterstützung in den Seniorentreffs und KI-Kurse an Lernorten finden sich auch hierzu keine neuen oder konkreten Vorschläge.“ Diese Bewertung ignoriert unseren Vorschlag völlig. Dieses Mal war dem Seniorenrat unsere Idee also zu wenig. Vermutlich wollte er sich keine Blöße geben, indem er unseren Vorschlag überhaupt erwähnt.
Warum haben wir die Idee einer Koordinierungsstelle trotzdem wieder aufgegriffen?
Die Geschichte geht noch etwas weiter. Im Sommer 2024 gab es Bundesfördermittel, mit denen ein Wettbewerb für Kommunen ausgeschrieben wurde. Kommunen konnten Vorschläge für Projekte einreichen, die die Teilhabe von Senioren und Seniorinnen am digitalen Leben fördern. Wir fanden, dass Offenbach sich beteiligen sollte, denn Geld ist bei uns bekanntlich knapp. Und ein Projekt, mit dem man sich beteiligen könnte, wäre eine Koordinierungsstelle für digitale Fortbildung. Im September 2024 haben wir also den Antrag an dieses Förderprogramm angepasst und eingereicht, auch ohne Empfehlung des Seniorenrats.
Leider wurde der Antrag von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Die SPD behauptete, der Seniorenrat hätte ihn abgelehnt. Nun, uns hatte er nur gesagt, dass er ihn nicht unterstützen wolle, weil man nicht eine einzelne Fraktion unterstützen wolle. Das ist ja wohl etwas anderes. Allerdings wissen wir nicht, was SPD und Seniorenrat damals hinter den Kulissen verhandelt haben, denn darin waren wir nicht einbezogen. Vermutlich erinnerte sich die SPD vor allem an diese Hinterzimmergespräche.
Weitere Argumente, die die SPD damals vortrug, entbehrten jeglicher Substanz. Man bräuchte für diese Koordinierungsstelle eine ganze Stelle. Das ist hanebüchen, denn bei der VHS ist sowieso eine Koordinierungsstelle für Bildungsangebote eingerichtet worden, die auch alle Angebote von weiteren Stellen in Offenbach miteinbezieht. Für die zusätzliche Arbeit, zu Sprach- oder Kochkursen auch Digitalisierungsangebote mit einzubeziehen, wären nur wenig Stunden pro Woche nötig gewesen. Der SPD-Redner warf uns damals weiterhin vor, wir von Ofa seien nicht an einer Diskussion an den vorgebrachten Argumenten interessiert gewesen. Wie frech ist das denn? Wir wären sehr gerne mit der SPD in eine Diskussion eingetreten, aber es hat sie nicht gegeben. Auf unsere Anfrage zu diskutieren, hatte die SPD überhaupt nicht geantwortet. Vermutlich verwechselte der SPD-Redner dies mit seiner Hinterzimmerdiskussion mit einigen Seniorenratsmitgliedern. Wie gesagt, zu der waren wir damals nicht eingeladen gewesen.
Die AFD lobte die SPD-Rede überschwänglich – Applaus von der falschen Seite!
Alle anderen Fraktionen hatten daraufhin unseren Antrag auch abgelehnt, auch die Linken, die CDU und die Freien Wähler. Letztere waren später nicht in der Lage, uns ihre Gründe dafür zu erklären.
Wir fragen uns allerdings, was der Seniorenrat eigentlich erwartet: Dass konstruktive Vorschläge besser von der SPD statt von der Ofa kommen?
Wir werden trotzdem an dem Thema digitale Teilhabe für alle dranbleiben, denn es ist wirklich wichtig.
Hier findet sich der Link zu unserem Bericht zu diesen Vorgängen: https://www.ofa-ev.de/32-sitzung/#kommunenwettbewerb
Hier geht es zum Kapitel „Digitalisierung und Teilhabe“ in unserem Wahlprogramm: https://www.ofa-ev.de/ofas-wahlprogramm/#digitalisierung-teilhabe
Links in diesem Beitrag:
- https://senioren-offenbach.hessen.de/fileadmin/ksv_offenbach/dokumente/251023–Wahlpruefsteine_Seniorenrat_Offenbach_2026.pdf
- https://senioren-offenbach.hessen.de/fileadmin/ksv_offenbach/dokumente/Wahlpr%C3%BCfsteine_OFA.pdf
- https://www.ofa-ev.de/john-edeus-steckbrief-fuer-die-seniorenratswahl-2023/