Kaiserviertel am Kaiserlei: Ein Schritt vorwärts – aber viele Fragezeichen

26. November 2025

von Lea Hanke

Jahrzehntelang standen die KWU-Türme als Symbol für den Eingang Offenbachs – mal Glanz und Industrie, dann Schandfleck und Lost Place. Nun steht ihr Abriss bevor; geplant ist ein Großprojekt mit über 1.100 Wohnungen, Gewerbeflächen, Kita und mehr. Aus Sicht der Ofa-Fraktion begleiten wir diese Entwicklung weiterhin kritisch.

Die bekannten KWU-Türme, die nun auf ihren Abriss warten (Quelle: Entwicklungsstadt.de)


Was ist wirklich entschieden? – Transparenz sieht anders aus

Offiziell wird ein „Letter of Intent“ zwischen Stadt und ABG Frankfurt diskutiert – aber dieser ist nicht öffentlich. Die wirklich entscheidenden Details blieben der gesamten Öffentlichkeit und sogar der Mehrheit der politischen Vertreter verborgen. Auch die Debatten im Gestaltungsbeirat über die Baupläne fanden zuletzt nur noch hinter verschlossen Türen statt. Als Ofa-Fraktion kritisieren wir das ausdrücklich: Ein Bauträge kann das verlangen – warum nur? Wie sollen die Vertreter der Bürger umfassend entscheiden, wenn sie wichtige Informationen und Diskussionen nicht hören dürfen? Das ist keine faire Beteiligung.


Sozialer Brennpunkt – berechtigte Befürchtungen

Die erste Fassung der Pläne wurde öffentlich als künftiger sozialer Brennpunkt gewertet, was sogar in der Presse zu lesen war. Nachgebessert wurde zwar, aber diese Sitzung war nicht öffentlich. Wir OFA hätten uns eine offene Diskussion über die neuen Vorschläge gewünscht – auch um sachgerechter abstimmen zu können.


Was bedeutet sozialer Wohnraum wirklich – und wie bezahlbar ist das?

Die Projektbeschreibung sieht u. a. zehn Prozent der Fläche für öffentlich geförderten Wohnraum und ein großes Studierendenwohnheim vor. Die tatsächlichen Mietpreise sind aber offen, kritische Nachfragen zu bezahlbarem Wohnraum bleiben unbeantwortet. Für viele bleibt fraglich, ob man sich das wirklich leisten kann – auch weil „öffentlich gefördert“ oft deutlich teurer ist als klassische Sozialwohnungen.

Im öffentlichen Diskurs klingt es gern sozial: 10% der Fläche für öffentlich geförderten Wohnraum – für „alle, die hart arbeiten, aber nur wenig verdienen“. Doch dahinter steckt viel Unsicherheit. Sozialwohnungen kosten zwischen 5 und 6,5 € pro Quadratmeter, öffentlich geförderter Wohnraum indes 8 bis 10,5 €. Was wird es wirklich? Für die Zielgruppe der hart Arbeitenden mit geringem Einkommen ist das oft trotzdem nicht bezahlbar. Die Erfahrungen zeigen: Gut gemeint reicht nicht.

Auch das geplante Studierendenwohnheim ist eine Blackbox. Sind es tatsächlich bezahlbare Plätze nach dem Landesmodell (ca. 380 € Pauschale) oder teure Appartements ohne Bindung? Die Kommunikationspolitik dazu ist missverständlich – Klarheit fehlt.


Rendite, Vorgeschichte und politische Einbindung

Die Stadt betont, die GBO könne die geförderten Wohnungen übernehmen. Doch aus anderen Projekten haben wir erfahren, dass Versprechen und Realität oft weit auseinanderliegen. Wir erinnern uns etwa an das Bauprojekt am Ledermuseum, wo Millionen investiert wurden – trotzdem ist fraglich, ob dort wirklich bezahlbarer Wohnraum entstanden ist, da die GBO damit Geld verdienen will, oder ob Gelder nun für das Kaiserviertel umgewidmet werden, falls das Projekt wackelt. 

Immerhin gelang es dem Oberbürgermeister, verschiedenste Parteien – sogar politische Kräfte, die immer sozialen Wohnungsbau fordern – ins Boot zu holen. Das ist anerkennenswert, aber keine Garantie für echte soziale Verbesserung oder kritische Begleitung.

Der geplante Ausblick auf das geplante „Kaiserviertel“ (Quelle: ABG AS +P)


Reaktionen aus der Stadtverordnetenversammlung – viel Euphorie, aber auch Kritik

In der Stadtverordnetenversammlung wurde das Kaiserviertel als wichtiger Schritt für Offenbach bewertet, aber auch kritisch diskutiert. Befürworter lobten die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Partner und die geplanten Maßnahmen für Klima- und Mobilitätsfreundlichkeit. Andere bemängelten, dass der Anteil bezahlbarer und sozial geförderter Wohnungen zu niedrig sei, und wünschten sich mehr Fokus auf soziale Durchmischung. Es gab auch Stimmen, die fehlende Transparenz und offene Fragen rund um die Details kritisierten. Die Verwaltung betonte ihre organisatorischen Leistungen, räumte aber gleichzeitig ein, dass viele Einzelheiten im weiteren Verlauf noch geklärt werden müssen.


Unsere Haltung: Enthaltung aus Prinzip

Als Ofa-Fraktion stimmen wir ungern halbherzig für oder gegen Projekte. Hier können wir aber nicht für das Vorhaben stimmen, weil zu viele Fragen offen sind, zu viel intransparent abläuft und unsere Bedenken in Sachen sozialer, nachhaltiger und stadtbildprägender Entwicklung nicht ausreichend angesprochen wurden. Gleichzeitig sehen wir: Weitere Jahre Stillstand helfen keinen Schritt weiter. Es ist gut, dass die Betongerippe verschwinden. Darum enthalten wir uns.Unser Fazit: Das Kaiserviertel ist ein Schritt nach vorne für Offenbach, aber der Weg bleibt steinig und voller ungelöster Probleme. Wir bleiben kritisch und fordern mehr Einbeziehung der Bürger, Transparenz und soziale Verantwortung bei allen weiteren Schritten.



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