von Lea Hanke
Seit einigen Wochen sorgt das Offenbacher Leitungswasser für Unmut unter den Bürgerinnen und Bürgern: Es riecht und schmeckt nach Chlor. Was von den Verantwortlichen als notwendige Maßnahme zur Desinfektion bezeichnet wird, empfinden viele als Belastung im Alltag. Die Stadtwerke und der Zweckverband Wasserversorgung Offenbach (ZWO) begründen die Maßnahme mit einer notwendigen Desinfektion des Trinkwassers. Doch viele Bürgerinnen und Bürger empfinden den Eingriff als unangenehm.
Einer von ihnen ist Benjamin Kisters aus dem Offenbacher Hafenviertel. Er hat die Petition „Stoppt die Chlorierung des Trinkwassers in Offenbach“ gestartet, die inzwischen viele Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden hat.

„Das war plötzlich da“
Kisters erinnert sich noch genau an den Moment, als ihm das veränderte Wasser auffiel. Nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub habe das Leitungswasser plötzlich stark nach Chlor geschmeckt und gerochen. Da er selbst fast ausschließlich Leitungswasser trinkt, sei das für ihn sofort ein Problem gewesen. Statt sich zu ärgern, entschied er, aktiv zu werden und eine Petition ins Leben zu rufen.
In kurzer Zeit schlossen sich viele Offenbacherinnen und Offenbacher seinem Anliegen an. Kisters berichtet, dass besonders im Hafenviertel viele Menschen betroffen seien. Er verbreitete seine Petition zunächst in lokalen Facebook-Gruppen, dann folgten Presseberichte und schließlich sogar selbst gedruckte Flyer, um auch Menschen ohne soziale Medien zu erreichen. Das Echo sei groß gewesen: viele hätten ihm bestätigt, dass das Wasser „nicht mehr so wie früher“ schmecke.
Kritik an Kommunikation und Transparenz
Ein wiederkehrendes Thema im Gespräch mit Kisters ist die mangelhafte Kommunikation seitens der Stadt. Er habe sich gewünscht, rechtzeitig explizit über die Chlorung informiert zu werden, statt sie zufällig zu bemerken. Als erste Anwohner beim ZWO nachfragten, sei die Chlorung zunächst sogar bestritten worden, weil die Information offenbar nicht intern weitergegeben war. Erst später habe man das bestätigt.
Kisters betont zwar, dass er der Stadt keine bösen Absichten unterstellt, doch die Situation habe Vertrauen gekostet. Für ihn gehe es vor allem darum, dass Bürgerinnen und Bürger über solch grundlegende Veränderungen offen informiert werden – gerade bei einem Thema wie Trinkwasser.
Wie weiter mit dem Chlorwasser?
Die Stadt betont weiterhin, dass das Offenbacher Trinkwasser gesundheitlich völlig unbedenklich sei. Auch die gemessenen Chlorwerte lägen weit unterhalb gesetzlicher Grenzwerte. Doch für Kisters bleibt der entscheidende Punkt der Alltag der Menschen. Es sei ein Unterschied, ob Werte auf einem Papier stünden oder ob man das Wasser tatsächlich trinken müsse. Chlor möge in Schwimmbädern normal sein, aber nicht im heimischen Glas.
Er selbst meidet das Leitungswasser seit Beginn der Chlorung weitgehend – vor allem dann, wenn er den Geruch wahrnimmt. Zwar habe sich die Situation seiner Einschätzung nach verbessert, sei aber nicht zur früheren Qualität zurückgekehrt.
Alternative Ansätze – auch politisch
Die Ofa-Fraktion hatte bereits im September in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, ungenutzte Wasserreserven aus Mühlheim zu nutzen, um den Chlorbezug aus Frankfurt zu verringern. Der Antrag wurde abgelehnt, könnte aber langfristig wieder an Bedeutung gewinnen, sollte sich die Diskussion fortsetzen.
Auch Kisters hält solche Ansätze für prüfenswert. Wenn andere Wasserquellen verfügbar seien, müsse man diese mit einbeziehen, bevor man dauerhaft auf Chlor setze. In anderen Städten werde bereits mit modernen Filter- und UV-Verfahren gearbeitet – ohne die Trinkwasserqualität zu gefährden.
Ein Bürger macht Druck – im wahrsten Sinne des Wortes
Kisters versteht seine Petition nicht als Konfrontation, sondern als Signal. Ihm gehe es darum, dass viele Menschen gemeinsam Gehör finden. Wenn sich nur Einzelne beschwerten, ändere sich nichts – aber gemeinsam könne man Druck aufbauen. Dass das Thema inzwischen auch politisch und medial Beachtung findet, wertet er als Erfolg.
Er erwartet keine sofortige Lösung, sondern wünscht sich, dass Stadt und Wasserversorger langfristig eine bessere, nachhaltige Lösung finden. „Ich möchte mein Leitungswasser wieder genießen können“, sagt er am Ende des Gesprächs. Genau das treibt viele Offenbacherinnen und Offenbacher derzeit um.
Fazit
Der Einsatz von Chlor im Offenbacher Trinkwasser bleibt umstritten. Während die Behörden auf Sicherheit und gesetzliche Standards verweisen, fordern Bürgerinnen, Bürger und Initiativen wie die von Benjamin Kisters Transparenz, Beteiligung und langfristig eine chlorfreie Lösung.Die Ofa-Fraktion hatte bereits früh auf alternative Wasserquellen hingewiesen – nun zeigt sich, wie wichtig es ist, das Thema weiter konstruktiv zu begleiten. Denn sauberes, sicheres und zugleich genießbares Trinkwasser sollte in Offenbach selbstverständlich sein.