von Helge Herget und Annette Schaper-Herget
In der Offenbach-Post vom 04.09. ist ein Interview1 mit dem Wasserexperten Dr. Joachim Glasenapp erschienen. Die OP stellt ihn vor mit „Der Ingenieur weiß wovon er spricht, war er doch zehn Jahre lang an entscheidender Stelle für das Unternehmen „Hamburg Wasser“ zuständig, das trotz Mammut-Dimensionen immer ohne Chlor ausgekommen ist.“ Wir können seiner Schlussfolgerung, dass unser Wasserversorger zu lange untätig war, voll zustimmen. Allerdings lassen sich nicht alle Erfahrungen aus Hamburg nach Offenbach übertragen.

Im Einzelnen: Dass die Wasserentnahme vom ZWO kurzzeitig erhöht werden kann, verbietet der RP Darmstadt, da die Brunnen schon an der maximalen Belastungsgrenze sind und dann große Umweltschäden auftreten würden. Diese Option ist schon bis ans Limit ausgereizt. Leider ist in Offenbach auch eine Versickerung von Mainwasser unrealistisch. Denn der Offenbacher Stadtwald eignet sich hierfür nicht und soll anders genutzt werden. Ebenso ist laut einer Analyse der Uni Göttingen der Wald im hessischen Ried, der exzessiv für die Rheinwasserversickerung genutzt wird, der in Deutschland am meisten geschädigte Wald. Das liegt an der Überlastung durch die Unmenge an Wasserfilterung.
Es gibt aber eine einfache und praktikable Lösung: Dies wäre eine Kooperation mit Mühlheim. Mühlheim besitzt eine große Mainwasserblase. Seit Jahrzehnten wird in Mühlheim über die Nutzung dieser Wasserblase nachgedacht. Allerdings ist dieses Mühlheimer Wasser sehr kalkhaltig, und daher ist für die Nutzung eine Entkalkungsanlage nötig. Dieses Wasser wäre dann nicht nur ungechlort, es würde auch andere Schadstoffe, die im Rhein deutlich stärker als im Main vorkommen, weniger enthalten, z.B. die „Ewigkeitschemikalien2“ PFAS 20 und PFAS 4. Um die Kosten für eine solche Anlage zu decken, müsste der Mühlheimer Betreiber Wasser verkaufen. Der Mühlheimer Eigenverbrauch ist aber zu klein. Damit sich das trotzdem rechnet, müsste Mühlheim mit anderen Kommunen zusammenarbeiten.
Liegt es da nicht nahe, mit dem großen Nachbar Offenbach zu kooperieren? Auf diese Idee3 ist die Opposition in Mühlheim auch schon gekommen. Zu einer Kooperation mit Mühlheim bezüglich der Wasserversorgung wird es zur nächsten Stadtverordnetenversammlung einen Antrag der Ofa geben.
Über die Gründe, warum diese Option, die ja durchaus bekannt war, bei der bisherigen Planung und Diskussion in Offenbach keine Rolle gespielt hat, können nur Vermutungen angestellt werden. Hier hätte Offenbach viel früher aktiv werden können, und daher hat Herr Dr. Glasenapp recht mit seiner Kritik, dass man hier zu lange untätig gewesen ist.
Links in diesem Beitrag:
- https://www.op-online.de/offenbach/gechlortes-wasser-in-offenbach-versorger-zu-lange-untaetig-93915564.html
- https://tzw.de/blog-details/detail/pfas-im-trinkwasser-rechtliche-regelungen-sind-fuer-die-wasseranalytik-nur-teilweise-umsetzbar
- https://ratsinfoservice.de/ris/muehlheim/file/getfile/68589