Zwischen Kultur und Kommerz: Das Büsing-Palais, der Lili-Tempel und der Streit um die Offenbacher Stadtbücherei

20. August 2025

von Lea Hanke

Wer durch den Büsing Palais spaziert, ahnt kaum, welch bewegte Geschichte die Gebäude rund um das Büsing-Palais erzählen. Prunkvolle Architektur, ein idyllischer Garten mit dem Lili-Tempel und die Stadtbücherei im Bücherturm: all das machte das Ensemble zum Herzstück des kulturellen Lebens in Offenbach. Doch nun steht ein Umbruch bevor, der Chancen eröffnet, aber auch Sorgen schürt.

Das Büsing-Palais: Ein Denkmal im Wandel

Das Büsing Palais ist nicht nur eines der schönsten Gebäude Offenbachs, sondern auch Symbol städtischer Identität. Ursprünglich von Hugenottenfamilien als Fabrikantenvilla errichtet, später von Adolf Freiherr von Büsing-Orville in ein repräsentatives Stadtpalais verwandelt, hat es vieles erlebt: Rathaus, Kriegsruine, Wiederaufbau, heute ein Ort für Kultur, Feiern und das Klingspor-Musuem. In einem Seitenflügel war seit der 1980er Jahren auch die Stadtbücherei untergebracht. Ihr herausstechender Bücherturm ist längst über die Stadt hinaus bekannt.

Quelle: diba – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78049

Der Lili-Tempel: Badehaus mit Symbolkraft

Mitten im Park steht der kleine Lili-Tempel, einst Badehaus der Familie Bernard, später lange verfallen. Erst durch eine Privatisierung und aufwendige Restaurierung wurde er wiederbelebt und ist seit 2007 als Kunstort zugänglich. Für viele ist er heute ein Beispiel dafür, wie privates Engagement historische Gebäude retten kann. Für andere aber ist er eine Mahnung: Denn zunächst war er tatsächlich noch mehrmals pro Jahr zugänglich, z. B. mit Konzerten und Ausstellungen. Früher konnte man ihn auch mieten, z. B. für eine Hochzeitsfeier. Das ist vorbei. Der Lilitempel ist weiter verkauft worden und nun für die Öffentlichkeit völlig unzugänglich. Das Beispiel zeigt, dass die private Hand immer auch Unsicherheit über den künftigen Zugang für die Öffentlichkeit bedeutet. Genau an diesem Punkt entzündet sich die aktuelle Debatte um die Stadtbücherei.

Quelle: Wikipeter – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=92854808

Die Stadtbücherei zieht um – und hinterlässt eine Leerstelle

Seit Jahren ist klar: Der Bücherturm im Büsing-Palais ist zu klein. Weniger als 1.200 Quadratmeter stehen für eine moderne Bibliothek zur Verfügung, gebraucht wird mehr. Ob es wirklich das Fünffache sein muss, wie derzeit von der Stadtregierung gewünscht, ist eine andere Frage. Mit dem Kauf des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes an der Frankfurter Straße, nun „Station Mitte“ genannt, will die Stadt ein neues Zuhause für ihre Bücherei finden. Geplant sind offene Lernräume, digitale Werkstätten, Veranstaltungen – kurz: ein modernes Zentrum für Bildung und Begegnung mitten in der Innenstadt.

Für die Bibliothek ist dieser Umzug ein Befreiungsschlag. Doch für das Büsing-Palais beginnt damit ein Kapitel voller Fragezeichen.

Droht eine stille Privatisierung?

Denn was passiert mit dem freigewordenen Räumen? Die Stadtverordnetenversammlung hat noch keinen klaren Plan beschlossen. Während die Koalition betont, man wolle den Bücherturm auch künftig kulturell nutzen, wächst die Sorge, dass der prestigeträchtige Ort kommerzialisiert wird. Viele warnen vor einer „stillen Privatisierung“: So wie beim Lili-Tempel könnte aus einem öffentlichen Kulturraum am Ende eine halbprivate Eventlocation werden – zugänglich nur für die, die es sich leisten können. Alle anderen fahren oder laufen daran vorbei und können nur noch durch den Zaun an der Straße die Architektur begutachten. Das befürchtet Ofa auch!

Gerade weil das Palais schon heute teilweise vom Hotel Sheraton genutzt wird, liegt diese Sorge nicht fern. Kritiker fürchten, dass Schritt für Schritt ein Stück städtisches Erbe aus der öffentlichen Hand gleitet – und damit auch ein Teil der kulturellen Identität Offenbachs.

Quelle: diba – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22382264

Zwischen Hoffnung und Skepsis

Auf der einen Seite also die Euphorie über die neue, moderne Bibliothek im Kaufhof. Auf der anderen Seite die Unsicherheit, ob das alte Zuhause der Stadtbücherei im Büsing-Palais der Öffentlichkeit erhalten bleibt. Offenbach steht damit vor einer Richtungsentscheidung: Soll der kulturelle Kern der Stadt, Klingspor-Museum, Büsing-Palais und Bücherturm weiterhin frei zugänglich und ein Ort für alle bleiben? Oder wird es ihnen ergehen wie dem Lili-Tempel, der in ein exklusiveres, privates Ensemble unter Ausschluss der Öffentlichkeit verwandelt wurde?

Fazit

Das Büsing-Palais erzählt eine Geschichte vom Glanz der Vergangenheit, von Krieg und Wiederaufbau, von kulturellem Leben mitten in Offenbach. Mit dem Umzug der Stadtbücherei in die „Station Mitte“ beginnt ein neues Kapitel, das die Innenstadt bereichern kann. Doch zugleich droht der Verlust eines öffentlichen Raums im Herzen der Stadt.

Der Lili-Tempel zeigt, wie schnell kulturelle Orte durch Privatisierung zwar saniert, aber auch der Öffentlichkeit entzogen werden können. Damit wird er zur Mahnung für die Stadtbücherei: Nur wenn Offenbach klar festlegt, dass das Büsing-Palais weiterhin für Kultur, Bildung und Öffentlichkeit da ist, bleibt es das, was es immer war – ein offenes Haus für die Stadtgesellschaft.

Die Debatte um Privatisierung ist deshalb mehr als eine Frage der Nutzung: Sie ist ein Streit darüber, wem die Stadt gehört – und ob ihre Kulturorte Orte für alle bleiben.



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